Auf Abwegen: Als Kletterer auf dem Malerweg

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Reiseberichte Europa Deutschland Simone | 19. Oktober 2011

Auf Abwegen: Als Kletterer auf dem Malerweg

Von Pirna bis nach Pirna – 112km lang führt der Malerweg, aufgeteilt in acht Tagesetappen, einmal durch (fast) alle Gebiete des Elbsandsteingebirges. Bei schönstem Herbstwetter versuchten wir uns an den ausgewiesenen Wegverlauf zu halten. Aber, wir waren spontan unterwegs ohne vorab gebuchte Quartiere. Das führte dann doch zur Suche nach Alternativen, denn am durch den Feiertag verlängerten ersten Oktoberwochenende hatten mit uns viele Wanderlustige die Idee, ein paar Tage in der Sächsischen Schweiz zu verbringen. Laut Touristen-Information gab es wohl noch ein (!) freies Quartier am Freitagabend – den Touristenboden in Ottendorf in der Hinteren Sächsichen Schweiz…

Warum der Malerweg?

Normalerweise sieht man uns früh morgens oder abends nach Sonnenuntergang, bepackt mit einem großen Rucksack, auf kurzem Weg zum/ vom Felsen im Elbsandstein. Nur bei wirklich schlechtem Wetter und im Winter sind wir wandernd in der Sächsischen Schweiz unterwegs.

Das sollte dieses Mal anders werden, denn nach den Wetterkapriolen des Sommers schied eine Tour im Hochgebirge für dieses Jahr aus der Urlaubsplanung aus. Und als immer deutlicher wurde, das wir einen richtigen golden Herbst bekommen würden, zog es uns halt ins (Mittel-) Gebirge vor der Haustür. Der Malerweg bot sich an, da ich mit einem “Sandstein-Neuling” unterwegs sein wollte. Ich war neugierig zu sehen, wo der Tourismusverband die vielen Elbsandsteineinsteiger entlang führt. Darüber hinaus wollte ich schon immer mal auf den Spuren von Caspar David Friedrich und Co wandeln und vielleicht einem ihrer Nachfolger beim Malen über die Schulter sehen.

Auch heute lassen sich Maler von der faszinierenden Landschaft oder wie hier von der Daubemühle inspirierenUmleitungsschildern sollte man folgen...:-)Wenn man genau hinsieht, findet man sie noch: alte Kilometersteine

Malerweg

Der Malerweg, den kann doch jeder gehen?

Böse Zungen sagen, das wäre ein Weg für Rentner. Wer das behauptet, ist ihn wohl noch nicht selbst gegangen. Wir haben rüstige ältere Wanderer gesehen, da würde ich vom Tempo her nicht mitgehen können und wir haben Jüngere beobachtet, die größere Schwierigkeiten hatten, auf den zum Teil ausgesetzten Wegen voranzukommen. Oft genug fehlte bei ihnen die Koordination von Stockeinsatz, Festhalten an Eisenklammern und ordentlich die Füße zu setzen.

Trittsicher sollte man auf jeden Fall auf den Gratwegen und Stiegen sein, wenn es an Eisenklammern, Leitern und Steinstufen entlang geht. Wir hatten Sonne satt und entsprechend war alles trocken. Nach dem Regen kann es aber im Elbsandstein echt nass und rutschig werden, wovon die Bergwacht (leider) ein Lied singen kann.

Wie sieht die Wegebeschaffenheit aus?

Man sollte beim Malerweg nicht vergessen, das er teilweise durch eine besiedelte und funktionierende Kulturlandschaft führt. Neben den berühmten Felsformationen, engen Schluchten und Tafelbergen erwarten den Wanderer auch der (Fern-) Blick über Felder (im Frühjahr/Sommer besonders reizvolle Farbkontraste durch die Rapsfelder) und dichtes Waldgrün. Man läuft durch alte Buchenwälder und über Hochebenen, an deren Rändern das Elbtal pötzlich steil abfällt. Und kommt in Dörfer, in die mit viel Liebe zum Detail viel Arbeit gesteckt wurde oder in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

112 km aufgeteilt auf 8 Tages-Etappen klingt zunächst nicht viel und es wird auch von einem Streckenrekord von 36 Stunden gemunkelt. Aber neben der Zeit, die man für die vielen Aus- und Fernsichten sich nehmen möchte, braucht auch das Wandern seine Zeit, weil es eigentlich fast immer rauf und runter geht. Irgendwie Stufen ohne Ende und das auf jedem Tagesabschnitt. So warten z.B. am Brand 800 Stufen im Abstieg, die meist ausgetreten, teils weggefault sind (werden gerade mit Eichenbohlen erneuert) und nicht immer hilft ein stützendes Geländer.

Neben den Stufen gibt es Forst-, Feld- und Waldwege und (leider) hin und wieder auch richtige Straßenabschnitte, auf denen v.a. außerhalb der Dörfer relativ viel Verkehr unterwegs ist – oberhalb von Hohnstein wird es echt unangenehm und ich würde dies beim nächsten Mal umgehen.

Ist er Überlaufen?

Nein, überraschenderweise trotz überragendem Wetter eher nicht. Wenn man vom Massenansturm der “Tagestouristen” am langen Wochenende absieht, waren wir gerade auf den ersten zwei Etappen und den letzten Etappen (von den Aussichtspunkten auf den Tafelbergen abgesehen) teilweise komplett allein auf den Wegen. Und irgendwie schienen bis auf 4 Wanderer alle, die wir getroffen haben, nur mit Tagesrucksack unterwegs zu sein.

Ist es gefährlich?

Von der bereits angesprochenen Trittsicherheit abgesehen: Flora und Fauna sind sächsisch gemütlich und in der Regel ungefährlich: wir haben keine Bären und (noch) keine Wölfe – und wenn man nicht boofen geht, klauen einem die Bilche und Füchse auch keine Nahrung. Mücken können manchmal zur Plage werden, bei uns war die Mückenhochsaison aber schon vorbei. Das Schlimmste, was uns hätte passieren können, weil die Helme zu Hause im Schrank geblieben waren, wäre gewesen, von einer Eichel erschlagen zu werden.

Stiegen und Leitern in engen Schluchten führen oft genug nach oben, aber auch wieder ins Tal hinabDer Weg bietet grandiose Aussichten, auch wenn man dafür manchmal zeitig aufstehen muss: Sonnenaufgang am KuhstallHerbststimmung am Malerweg in den alten DörfernBlick von der Schrammsteinaussicht: Kletterer an der TanteManchmal erscheint einem die Zeit stehen geblieben (Bahnstation und altes Linoleumwerk in Kohlmühle) - und dann kommt plötzlich doch noch ein ZugNicht nur Nationalpark, sondern auch eine funktionierende Kulturlandschaft

Seid Ihr den Weg komplett gegangen?

Nein, sind wir nicht. Wir waren insgesamt 9 Tage unterwegs, wobei wir die ersten drei Abschnitte so originalgetreu wie möglich (inklusive einer ausgeschilderten Umleitung) gegangen sind. Ab der vierten Etappe gab es Abwandlungen, weil wir auf der Entenfarm (Zeltplatz außerhalb von Hohnstein – sehr nett) die letzten Schlafplätze in einem Bungalow bekommen hatten und nicht mehr nach Hohnstein zurückgehen wollten, sondern von der Seite kommend zurück auf den Malerweg sind.

Die drei darauffolgenden Abschnitte haben wir verändert, da wir boofen waren (Boofen für Nichtsachsen: Schlafen unter freiem Himmel, meist Felsvorsprung oder Höhle). Somit mussten unsere Start- und Endpunkte der Etappen anders gelegt werden. Außerdem wollte ich einen malerfreien Tag im Großen Zschand verbringen. Genauso wie es uns auf die tschechische Seite durch die Edmundsklamm und Wilde Klamm in Richtung Prebischtour für einen Tagesausflug zog, was ja, historisch belegt, die Maler im letzten Jahrhundert auch gemacht haben, bevor sie mit dem Elbraddampfer flußabwärts wieder zurückgefahren sind.

Die letzten drei Etappen verkürzten wir auf zwei und bestiegen dabei nicht alle Tafelberge. Regen war angesagt und nach 9 Tage Sonnenwanderung sank die Bereitschaft, am zehnten und letzten Tag im Regen zu wandern. :-)

Gab es Orientierungsprobleme?

Neben den Umleitungsstrecken, die relativ gut ausgeschildert waren, gab es auch andere, nicht erwartete Probleme. Streckenbeschreibungen sollte man bis zum Ende lesen bzw. diese (konkreten) Erklärungen fehlten auf meinem ausgedruckten Tourenplan: den Tagesendpunkt Hohnstein kann man z.B. glatt verpassen, weil die Wegmarkierung nicht in den Ort hineinführt, sondern auf einem Rundweg um Hohnstein herum und dann weiterleitet in Richtung vierter Streckenabschnitt. Ich wollte immer der Ausschilderung zur Stadt folgen, aber der Malerweg führte in die komplett andere Richtung…

Gleiches kann auch noch anderer Stelle passieren, da der Malerweg als Fernwanderweg nicht über zuviel Asphalt und durch wenig Ortschaften führen soll / darf. Ist wohl eine Festlegung, um den Titel Fernwanderweg zu bekommen und das kann zu etwas Ver(w)irrung führen.

Übernachtungen: vorher buchen oder spontan losfahren?

Wer wie wir zu zwei unterwegs ist, kann von Mai bis Oktober (außerhalb der Ferien und besonderer Feiertage) sicher einfach losfahren. Es gibt viele kleine Pensionen und Herbergen. Ferienwohnungen können zum Problem werden, da die Vermieter zum Teil Gäste bevorzugen, die länger als eine Nacht bleiben. Richtig eng werden kann es eigentlich nur im Kirnitzschtal: das Zeughaus ist irgendwie immer belegt und in den Mühlen ist es auch nicht immer leicht, für eine Nacht unterzukommen. Vor Ort selbst nachsehen kann weiterhelfen,  denn trotz der Auskunft bei der Touristeninformation in Altendorf, das es kein freies Quartier mehr in der Umgebung bis auf Ottendorf gibt (und das gehört als Wanderer nicht mehr zur “erlaufbaren” Umgebung), hingen an mehreren Ferienwohnungen und Gasthöfen noch Zimmer frei-Schilder. Wir haben es allerdings nicht überprüft, sondern hatten uns schon anders entschieden.

Wen also das Klingeln, Warten und Fragen nicht abschreckt – der kann sicher spontan losfahren.

Dichter-Musiker-Maler Weg – ist das der ausführliche Name für den Malerweg?

Auf den Spuren der Dichter, Musiker und Maler führt ein Fernwanderweg (DMM-Weg) über etwas mehr als 90 km vom Blauen Wunder (Elbbrücke) in Dresden bis zum Prebischtor. Der Weg ist mit einem kleinen eigenen Logo gekennzeichnet (wobei auf der tschechischen Seite die Kennzeichnung fehlt). Der erste Abschnitt des Malerweges läuft parallell zum DMM-Weg und steht daher auch zu Beginn ganz im Zeichen von Wagner. Der komponierte inspiriert von der bizarren Natur des Elbsandsteingebirges den Lohengrin, während Carl Maria von Weber sich Anregungen in der Sächsischen Schweiz zum Freischütz holte.

Und wie war es nicht kletternd, sondern wandernd unterwegs gewesen zu sein?

Nach den verregneten Kletterwochenenden in diesem Jahr würde ich lügen, wenn ich sage: überhaupt kein Problem. :-)

Aber – und das Gefühl hat überwogen – es war auch mal sehr schön, nicht nur im Regen oder im Schnee im Elbtal wandernd unterwegs zu sein. Der Malerweg hat Lust auf mehr gemacht – sich weitere, noch unbekannte Ecken im Elbsandstein zu erschliesen. Zugegebenerweise habe ich Kletterer immer wieder an den Wänden gesucht und gefunden – z.B. hoch oben an der Lok beim Überfall vom Amselsee aus gesehen oder im Sonnenuntergang an der Zyklopenmauer (Kuhstall). Mein Mitwanderer musste sich zudem viele Kletter- und Boofengeschichten anhören. Dennoch, es hat sich unterwegs als richtig erwiesen: Klettersachen zusätzlich mitzunehmen, wäre einfach zu schwer geworden, um noch mit Genuß zu wandern.

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8 Kommentare

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    Sven | 25. Oktober 2011, 18:15

    Dem schließe ich mich an Simone, der Malerweg ist kein Geheimtipp, aber doch irgendwie etwas besonderes. Ich denke zumindest einer der wenigen Weitwanderwege die tatsächlich nur wandernd zu erleben sind. Rennsteig, Erzgebirgskammweg oder Oberlausitzer Bergweg wären alle auch irgendwie mit dem Rad zu machen, wenn nicht gar mit dem Forstauto. Der Malerweg geht aber tatsächlich nur zu Fuß, ob in 36 h (?) 9 Tagen oder eben in 3:

    https://picasaweb.google.com/101973310751134091151/MalerwegIn3Tagen

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    simone | 26. Oktober 2011, 10:26

    Die 36h sind – wie gesagt – nur ein Grücht, vielleicht auch in Anlehnung an die Hohe Tour (Wandertour mit Klettereinlagen durch alle Klettergebiete in der Sächsischen Schweiz – an einem /zwei Tagen) entstanden. Aber das hat dann eher etwas mit sportlichem Wandern zu tun und -zumindest in meinen Augen- nichts mehr mit Genuß-Wandern inclusive Aussicht zu tun.
    Ich weiss, an meinem Packgewicht muss ich noch arbeiten – werde ja auch nicht jünger.:-) Ich hätte euer Rucksack auf zwei Beinen sein können (Bild 7 von Deinem Album) – allerdings hatte ich nichts mehr draussen dran hängen an meinem kleinen Bach-Packmonster.
    Ich werde den Weg sicherlich nochmal gehen (wahrscheinlich wieder nur bis Wehlen oder wie Ihr bis Obervogelgesang – ohne den Elberadweg-Abschnitt am Ende der Tour) – dann aber mal im November oder Dezember mit viel Nebel und einer sicherlich sehr eigenen Stimmung in den Schluchten und Hochtälern. Dann hat man auch wieder mehr Ruhe / Einsamkeit auch an den Touristischen Treffpunkten wie Bastei oder Schrammsteinaussicht.

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    Sven | 26. Oktober 2011, 11:03

    Ach die Hohe Tour, da hast du recht, das fällt absolut in die selbe Erlebniskategorie. Obwohl, eigentlich ist diese fast noch besser, da nicht so vorgegeben. Insbesondere zu Fuss ja ziemlich vernachlässigt (siehe Link unter meinem Namen). Und was den Rucksack angeht, wie wäre es mal mit einer UL-Klinik im Tapir? :)

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    Christopher Hanschmann | 26. Oktober 2011, 12:51

    Sehr schöner Bericht! Ich kann als reiner Wanderer allem beipflichten. Ich selbst bin vom 4.-12.10. den Weg gelaufen. Allerdings komplett von Pirna bis Pirna mit der unschönen Strecke nach Liebethal, aber Rundweg ist für mich Rundweg.
    Konkret bestätigen oder ergänzen möchte ich:
    - Man kann mit kompletten Gepäck laufen (38l inkl. Zelt, Schlafsack und Matte mit knapp unter 10kg, 1,87m Größe), es wird lediglich an drei Stellen eng (Uttewalder Felsentor, Felsenschlucht am Hockstein, Pfaffenstein) und bei einem Abstecher (zur Barbarine) muss man kurz stehen lassen. Beim Aufstieg zum Pfaffenstein müsste man mit mehr Gepäck den bequemen Aufstieg wählen, da war es für mich richtig knapp.
    - hab auch nix vorher gebucht, was auch gut funktioniert. Die Schwierigkeiten im Kirnitzschtal kann ich bestätigen. Bei der Neumannmühle muss man definitiv vorher buchen, ich hatte nur Glück. Meiner Einschätzung nach kann Schmilka auch eng werden, ich bin da paar Km weiter, wo es um Reinhardtsdorf wieder freie Auswahl gibt.
    - Stichwort Risiko und Wetter: habe bis jetzt keinen Wanderweg erlebt, der so oft so viel Konzentration forderte. Gerade die Treppen und Stiege sind nicht nur anstrengend, sondern auch kniffelig – vor allem mit vollem Gepäck. Die Tafelberge (Papststein, Gohrisch) habe ich auch im Regen mitgenommen und da füllen sich gerade beim Abstieg die Treppenabsätze mit zentimetertiefen Pfützen während das Holz der Stufen sehr glatt wird. Blätter komplettieren das zeitraubende Gesamtpaket. Zudem gewöhnt man sich spätestens mit der zweiten Etappe über die Bastei an die Höhe, sodass man irgendwann wie selbstverständlich neben an sich harmlosen bei Stolpereinlagen aber durchaus brenzligen Abgründen wandert. Lebensgefährliche Abstürze sollen wohl grad zu Vatertagszeiten auf dem Malerweg nicht selten vorkommen. Kurz gesagt, das soll niemanden abschrecken, auch Kinder hab ich auf dem Weg gesehen, aber pathetisch möchte ich sagen, dass man nicht ohne Respekt an die Sache rangehen sollte.
    - Stichpunkt Zeit: wer den Malerweg schneller als vorgegeben wandern möchte ist entweder selber schuld oder kennt bereits Abschnitte. Für alles andere braucht man eigentlich keinen Malerweg. Bei der ein oder anderen Etappe dachte ich auch, dass das mit Links geht, aber man darf nicht vergessen, dass man auf den zahlreichen Treppen (ich schätze durch die Brandangabe von 900 Stufen insgesamt die Stufen auf 4.-6.000) kaum Zeit sparen kann und die Sehenswürdigkeiten kosten viel, wenn man es einigermaßen genießt. Jetzt im Herbst habe ich meine Aufstehzeit von 8:30 auf 7:30 vorverlegt, damit ich vor 18 Uhr ankomme (ich bin ein schneller Geher). Ganz wichtiger Grund: das Tageslicht! Ich bin zur Neumannmühle zu 21 Uhr angekommen und der letzte Kilometer auf den Wurzelwegen war die Hölle. Wer den Weg also nicht kennt, sollte unbedingt im Hellen ankommen. Nicht nur wegen der schlechten Beschilderung ist das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, es gibt schlicht auf dem Malerweg Etappen, da würd ich ohne Ortskenntnis und Not die Begehung schon als fahrlässig bezeichnen. Noch ein Zeittipp: die Festung Königstein auf Etappe 7 lohnt ein Wiedersehen nach der Tour – eine erschöpfende Besichtigung wird man auf der Wanderung auch im Sommer nur schwierig hinbekommen.
    - Gepäck: Mir war das ne Ehrensache mit kompletten Gepäck zu laufen, weil ich auf den Beinen echt reisen möchte. Allerdings muss ich sagen, dass das gerade wegen der happigen Auf- und Abstiege auf die Knie geht. Die 8 Etappen waren für meine Knie die Grenze, die letzte Etappe war nicht schlimm, aber ansatzweise schmerzhaft.
    Wer ein bisschen Abenteuer sucht und spektakuläre Natur ist mit dem Malerweg bestens beraten.

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    simone | 26. Oktober 2011, 16:44

    Hallo Christopher,
    danke für Deine Ergänzungen – auch mal aus “Schlechtwetter-Sicht”. Ihr hattet ja dann die leichten Regentage, die begannen, als wir auf dem Weg zur S-Bahn waren.
    Unser Quartier-Problem ergab sich wohl nur aus dem verlängerten Wochenende – wären wir wie Du/Ihr am 04. gestartet, hätten wir es sicherlich auch anders erlebt. Aber auf all meinen Reisen habe ich noch nie soviel Schulterzucken oder ein verneinendes Lächeln gesehen auf die Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit wie in Hohnstein und in Altendorf. Der Hinweis mit Schöna/Reinhardsdorf ist richtig. Schmilka (rechtselbisch) hat auch nicht allzuviele Quartiere – wir hatten da einfach Glück. Aber man ist, in Schmilka mit der Fähre übergesetzt, je nach Geh-Tempo in 30 – 45 min in Schöna. Sollte nach der 5.Etappe noch machbar sein, auch wenn es etwas steiler aus dem Elbtal wieder hoch geht.
    Und wen das mit den Stufen interessiert – der sollte an der Waldidylle im Uttewalder Grund vorbeigehen und genau hinsehen (und dann bei einer Erfrischung darüber sinnieren, ob er wirklich soviele Stufen steigen will…) . Dort hing in einem Fenster eine gezeichnete Karte mit den unterschiedlichen Wegverläufen (historisch, heute, DMM-Weg etc.) und der Stufenanzahl, die auf den Wanderer warten. Ich habe die Zeichnung leider nicht fotografiert – aber ich denke 6000 Stufen sind fast noch zu wenig. :-) (zumindest behaupten dies auch meine Knie…)
    Die angesprochene Verlaufgefahr habe ich nicht so eingeschätzt – aber ich hatte ja bis auf wenige Ausnahmen v.a. linkselbisch auch eine gute Vorstellung, wo wir rauskommen sollten. Deshalb ist es interessant zu lesen, wie es jemandem ergehen kann, der sich in dieser Gegend nicht so auskennt und sich auf die Karte und die Ausschilderung verläßt. Mit welchem Kartenmaterial wart Ihr denn unterwegs?

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    simone | 26. Oktober 2011, 16:54

    Hohe Tour steht bei mir auch noch aus – wollte ich mal mitgehen, aber mein Knie zog es vor, erst noch einen Aufenthalt im Krankenhaus einzuschieben :-(
    UL-Klinik im tapir ist gut und wir arbeiten daran – versprochen. Davon abgesehen hätten meine Mitwanderer und Mitkletterer aber auch so schon einen Vorschlag für mich: “Lass die (Spiegelreflex-) Kamera endlich zu Hause – eine Knipse tut es auch…” :-) Ohne die Fotoausrüstung hätte ich meinen kleinen 40-Liter Rucksack mitgenommen – mit der Ausrüstung wurde es eben doch das Bach-Packmonster mit dem ich immer wie ein Rucksack auf zwei Beinen aussehe…

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    Yvonne | 27. März 2012, 12:00

    Spannender Bericht. Es ist immer wieder schön zu lesen wie Wanderer den Malerweg erleben. Wir als Touristiker bemühen uns darum das die Rahmenbedingungen stimmen. Leider haben wir nicht so gute connections zum Wettergott ;) , aber man sagt ja es gibt nur schlechte Kleidung, kein schlechtes Wetter :) Danke für die Anregungen auch bzgl. Ausschilderung.

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    simone | 28. März 2012, 17:21

    Hallo Yvonne,
    danke und ja, wahrscheinlich ist bei der Orientierung einiges Schwieriger zu finden, wenn man sich nicht grob im Elbsandstein auskennt. Man hat schnell mal den einen oder anderen schmalen Weg übersehen oder sieht eine langsam zuwachsende Schlucht und denkt: Ist das jetzt noch ein Weg oder zählt er nicht dazu?
    Für mich macht das auch ein wenig den Reiz des Wandern in der Sächsischen Schweiz mit aus :) aber Ortsfremde würden sich bestimmt über den einen oder anderen Hinweis mehr mit freuen.

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Short Cuts Deutschland

  • Reisezeit: eigentlich das ganze Jahr über, aber von November bis April versinkt die Sächsische Schweiz ein wenig im Winterschlaf; d.h., viele Pensionen, Ferienwohnungen sind geschlossen und die gastronomische Versorgung wird u.U. etwas schwieriger, denn viele Gasthäuser haben nur am Wochenende geöffnet. Das erfordert etwas mehr Planung.
  • An- und Abreise: mit der Bahn bis Dresden, mit der S1 bis nach Pirna und dann mit dem Bus bis Liebethaler Grund (Buslinie Liebethal/Graupa) - der Busbahnhof ist neben dem S-Bahn-Bahnhof in Pirna. Mit dem Auto über die A17 nach Pirna. Dann wird es spannend, wenn man ohne Navi untewegs ist und versucht, den richtigen Abzweig zu nehmen. Viele Baustellen und Umleitungen machen die Wegfindung schwieriger. Parken ist -nach Absprache- am Jugendgästehaus in Pirna/Liebethal möglich. Darüber hinaus gibt es kaum öffentliche Parkplätze, wenn man rechtselbisch mit der Tour beginnt.
  • Sprache: sächsische Mundart - d.h., für mich, durchaus mit einem leichten Heimvorteil, gab es keine Verständigungsprobleme. Aber keine Angst, mit Deutsch kommt man auch gut weiter.
  • Geld: Sachsen ist Euroland, wer aber wie wir einen Ausflug ins Böhmische macht, wird feststellen, das in Tschechien immer noch mit Kronen bezahlt wird. Allerdings ist es in der Grenzregion kein Problem, mit Euro zu bezahlen. Wir hatten Bargeld mit, da es nicht immer - v.a. in Pensionen - möglich ist, mit Karte zu zahlen. EC-Automaten gibt es in einigen Orten unterwegs; da die Ortschaften sehr klein sind, gibt es östlich von Pirna nur Sparkassen
  • Preise: Quartierpreise für Mattenlager ab 10 Euro aufwärts, über Zeltplatzgebühren bis hin zu Drei- und Vier-Sterne- Pensionen. Vieles ist möglich. Gleiches gilt auch fürs Essen und Trinken.
  • Einkaufsmöglichkeiten: Rechtselbisch zu Beginn der Tour ist es in Pirna, Stadt Wehlen, Königsstein und Altendorf (im Gasthaus Heiterer Blick) relativ gut möglich, Lebensmittel nachzufassen. Danach wird es etwas schwieriger.

wwwo beginnen

  • Übersicht über Fernwege in Europa
  • die Seite zum Malerweg mit individuellem Tourenplaner
  • interessante Seite mit ziemlich genauen Informationen zu vielen Touren in der Sächsischen Schweiz, darunter auch dem Malerweg
  • Forum mit vielen Infos, nicht nur für den Malerweg
Deutschland

Nicht vergessen

  • ausreichend Wasser: Wasser kann zum Problem werden, da es in den Gasthäusern z.B. auf den Tafelbergen neben Wasser in Flaschen (zum Kaufen) nur Wasser aus Brunnen gibt (kein Trinkwasser); auch bach- und flussmäßig wird es eng werden - es gibt nur wenig Quellen; Trinksysteme machen sich gut sowie ein kleiner Becher, denn Flaschen oder Wassersäcke passen nicht immer unter den Wasserhahn.
  • Wanderkarten (siehe Literatur)
  • Trekkingstöcke: ja, auch in der Sächsischen Schweiz geht es manchmal ziemlich steil bergauf und v.a. bergab. Teleskopstöcke machen sich gut, die schnell klein gemacht und am Rucksack befestigt werden können - denn z.B. auf dem Gratweg oder anderen Stiegen machen sich zwei freie Hände besser (zum Halten am Stahlseil und Eisenklammern)
  • ansonsten alles, was man je nach Jahreszeit zum Wandern benötigt: ordentlich eingelaufene Wanderschuhe, Rucksack, wetterfeste Kleidung, Blasenpflaster und je nach Art der Herberge noch einen Hüttenschlafsack

Literatur

  • Malerweg. Auf den Spuren der Maler, Dichter und Komponisten durch die Sächsische Schweiz. Wanderführer aus dem Rölke-Verlag mit vielen vergnüglichen und interessanten Geschichten auch zu den Malern, die vor 100 Jahren (und eher) den Weg schon gegangen sind
  • Malerweg. Handbuch aus dem Conrad Stein Verlag - klein und handlich und mit vielen nützlichen Informationen und nicht zu schwer, um auf Tour ein guter Begleiter zu sein
  • Böhm-Wanderkarten - als Übersichtskarte mit Malerweg (1:30.000) und viele Detailkarten aus verschiedenen Gebieten im Maßstab von 1:10.000, wobei die Übersichtskarte, wenn man auf dem Malerweg bleibt, sollte die Übersichtskarte ausreichend sein
  • nicht zum Lesen aber zum Hören: CD Hörbuch zum Malerweg, gelesen von Gunter Schoß und Axel Wandtke (Das Hörbuch folgt dem Weg, dessen Streckenverlauf sich teilweise mit historischen Routen deckt)